Der Begriff Folklorismus geht zurück auf den Münchener Volkskundler Hans Moser im Jahr 1962, welcher zwei Aufsätze zu diesem Thema schrieb und hiermit im Bereich der Volkskunde eine langjährige, kontrovers geführte Fachdebatte anregte. Zuerst wurde dieser Begriff in der Volkskunde diskutiert und gelangte dann später in die Alltagssprache.

Während die Folklore die ursprüngliche Volkskultur darstellt, die sich selbst genug ist und die ihr Brauchtum auch nur für sich pflegt, ist der Folkorismus quasi eine darübergelegte zweite Schicht. In dieser Volkskultur aus zweiter Hand geht es darum, dass diese folkoristischen Bräuche und auch Traditionen vermarktet werden. Diese Vermarktung findet zum Beispiel immer dann statt, wenn alte Bräuche zu einem touristischen Highlight werden und dementsprechend verändert und ihrer Ursprünglichkeit beraubt werden. Nicht mehr der Brauch an sich und sein Sinn und Zweck sondern seine Kommerzialisierung stünde nun im Vordergrund, beklagen die Kritiker.

Moser versuchte in seinen Schriften nachzuweisen, dass diese Nachahmung von Bräuchen durch eine andere Sozialschicht schon vor dem 2. Weltkrieg beobachtet werden konnte, aber der spätere Folklorismus mit einer noch stärkeren Kommerzialisierung durch die Tourismisindustrie und die Medien behaftet sei.